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Soziologische Perspektiven auf Kooperation und Transformation
Die Wasserwirtschaft steht vor tiefgreifenden Herausforderungen: Starkregen und Überschwemmungen, zunehmende Trockenperioden, ein veränderter Wasserhaushalt sowie Schadstoffe in Gewässern erfordern neue technische, organisatorische und gesellschaftliche Lösungen. Wie gut Regionen darauf vorbereitet sind, unterscheidet sich erheblich. Das gemeinsame Ziel bleibt jedoch klar: sauberes Trinkwasser langfristig sichern und Abwasser ökologisch verträglich behandeln.
Dabei zeigt sich immer deutlicher, dass sich diese Aufgaben nicht allein innerhalb der Wasserwirtschaft bewältigen lassen. Der Umgang mit Starkregen etwa betrifft nicht nur Kanalisation und Kläranlagen, sondern muss abgestimmt erfolgen, u.a. mit Stadt- und Landschaftsplanung, Forst- und Landwirtschaft, Katastrophenschutz sowie Umwelt- und zivilgesellschaftlichen Akteuren. Erfolgreiche Lösungen hängen daher maßgeblich davon ab, wie gut die Beteiligten zusammenarbeiten und ihre Perspektiven aufeinander abstimmen.
Das ThWIC-Projekt VerNetzT greift diese Frage auf und untersucht die sozial-ökologische Transformation der Wasserinfrastruktur anhand eines regionalen Fallbeispiels. Im Fokus steht dabei nicht nur wer miteinander kooperiert, sondern auch wie Probleme wahrgenommen, interpretiert und bearbeitet werden. Ziel ist es, ein „Netzwerk der Wasserwirtschaft“ sichtbar zu machen und besser zu verstehen:
- Welche Akteure sind beteiligt?
- Wie sind sie miteinander vernetzt?
- Welche Sichtweisen prägen ihr Handeln – und welche Lösungswege werden dadurch begünstigt oder begrenzt?
Um diese verschiedenen Fragen im Zusammenhang zu verstehen, wurde im VerNetzT-Projekt ein neuer methodischen Zugang entwickelt: Fall-Netzwerk-Analysen. Diese kombinieren zwei sozialwissenschaftliche Ansätze, die sich auf besondere Weise ergänzen. Die Akteur-Netzwerk-Theorie hilft dabei, relevante Akteure und ihre Beziehungen systematisch zu erfassen – ganz nach dem Prinzip, den Akteuren zu folgen und ihre Verbindungen sichtbar zu machen. Die objektive Hermeneutik ermöglicht es hingegen, die Denkweisen, Problemverständnisse und Handlungsmotive einzelner Akteure im Detail zu rekonstruieren.
In der empirischen Studie wird gezeigt, wie sich bestimmte Deutungen von Problemen und bestehende Netzwerke gegenseitig stabilisieren. Die stark technisch geprägte Sicht auf Herausforderungen geht mit einem ebenso technisch ausgerichteten Akteursnetzwerk einher, so der Befund. Genau hier eröffnen sich aber auch Ansatzpunkte für Veränderung: Wer Transformation will, muss nicht nur Technik weiterentwickeln, sondern auch Kooperationen und Perspektiven erweitern.
Zu dieser Methodik und ihren Erkenntnissen ist nun ein wissenschaftlicher Artikel erschienen. Er ist ein Beispiel für die Beiträge soziologischer Forschung im Cluster zum besseren Verständnis komplexer Transformationsprozesse in der Wasserwirtschaft.
Unter folgendem Link finden Sie den Artikel:
Lorenz, S., Künzel, L., & Wetzel, R. (2026). Fall-Netzwerk-Analysen: eine exemplarische Methodenkombination von Fallrekonstruktion und Akteur-Netzwerk-Forschung. Forum Qualitative Sozialforschung Forum: Qualitative Social Research, 27(1). https://www.qualitative-research.net/index.php/fqs/article/view/4441Externer Link
https://doi.org/10.17169/fqs-27.1.4441
Kontakt
Stephan Lorenz, apl. Prof. Dr.
- stephan.lorenz@uni-jena.de
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