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Technikentwicklungen gesellschaftlich und ökologisch bedenken
Die Idee der Technikfolgenabschätzung entstand in den 1960er Jahren in den USA und wurde in der Folge in vielen Industrieländern institutionalisiert, so auch in Deutschland. Sie war von Beginn an eng mit Ansprüchen an eine geeignete Politikberatung verbunden. Denn die Einführung neuer Technologien bringt häufig neben gewünschten Fortschritten auch unerwartete Folgen und neue Risiken mit sich. Diese Erfahrung betrifft nicht nur, aber oft die Umweltpolitik: Technologische Eingriffe in die natürliche Umwelt können menschliche Lebensgrundlagen gefährden. Am Beispiel Wasser ist das besonders an der Belastung von Gewässern durch stoffliche Einträge aus der Landwirtschaft, von Medikamentenrückständen oder verschiedenen Abwassereinleitungen ersichtlich. Gewinnen in der landwirtschaftlichen Erzeugung, der medizinischen Versorgung oder verschiedener Industrieprodukte stehen dann Gefährdungen des Trinkwassers oder hohe Kosten für Landschaftssanierungen gegenüber.
Technikfolgenabschätzung erkundet, wie die Zusammenhänge zwischen gesellschaftlichen und ökologischen Prozessen besser zu verstehen und schließlich in geeigneter Weise zu gestalten sind. Heute steht diese Anstrengung unter den Vorzeichen sozial-ökologischer Transformationsherausforderungen, wie Klimawandel und neue Schadstoffeinträge. Das ThWIC-VerNetzT-Projekt beschäftigt sich mit diesen Problemstellungen auch aus Sicht soziologischer Theorie, insbesondere über begriffliche Klärungen. Dazu ist aktuell in der Zeitschrift „TATuP – Technikfolgenabschätzung in Theorie und Praxis“ der Beitrag von Stephan Lorenz „The two concepts of ‚social‘: On in_direct relations in socio-ecological transformation processesExterner Link“ erschienen. Er befasst sich damit, dass in Transformationsdiskussionen zwei sehr unterschiedliche Verständnisse von ‚sozial‘ genutzt werden. Zum einen werden darunter gesellschaftliche Umweltbeziehungen (sozial-ökologisch) verstanden. Damit sind zuerst direkte technologische Gestaltungen der physischen Umwelt gemeint. Zum anderen werden unter ‚sozial‘ sozusagen innergesellschaftliche Fragen verhandelt, zum Beispiel Interessen- oder Gerechtigkeitskonflikte. Diese sind ebenfalls für Umweltverhältnisse relevant, allerdings indirekt, nämlich technologisch vermittelt.
Im Artikel werden diese beiden Verständnisse systematisch unterschieden. Der Gewinn daraus ist, dass sich so genauer verstehen lässt, wie soziale und ökologische Probleme zusammenhängen und zu beurteilen und zu bewerten sind. Insbesondere wird sichtbar, dass es vielfältiger Übersetzungen bedarf, um gesellschaftliche Konflikte und ökologische Veränderungen zu bearbeiten. Das sind vor allem Übersetzungen von technologischen Entwicklungen in ökonomische Kosten, politische Entscheidungen und kulturelle Deutungen. Erst in der Beurteilung dieser Gesamtkonstellation lässt sich technologischer Fortschritt bemessen.
Unter folgendem Link finden Sie den Artikel:
Lorenz, Stephan 2024: The two concepts of ‚social‘: On in_direct relations in socio-ecological transformation processes. In: TATuP – Technikfolgenabschätzung in Theorie und Praxis 34/3 (2025) pp. 53–58. https://www.tatup.de/index.php/tatup/article/view/7237Externer Link
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